Sibylle Berg

berg_sibylle“Ich kam vor sechzehn Jahren aus dem Osten wegen der Menschen in die Schweiz, die mir  näher sind als die Menschen in Westdeutschland. Ich hatte den Eindruck, dass viele Schweizer sehr humorvoll sind, dass sie Obrigkeiten nicht ungefragt akzeptieren, ein liebenswert stures Volk, weltoffen und fremdenfreundlich. Heute macht die Angst viele  Schweizer ein wenig gereizt. Es war es ein grosser Fehler mit dem Wohnraum der Menschen zu spekulieren. Liest man jede Woche von Entmietungen, von Alten die nach 50 Jahren ihr Quartier verlassen müssen, dann sind das elementare Ängste. Da sind gewaltige Fehler passiert, die die Angst vor Fremden schüren. Gab es nicht früher einmal eine Begrenzung des Wohnraums den Ausländer kaufen dürfen?

Gerade las ich, dass im Wallis ein riesiges Feriendorf von russischen Investoren  gebaut wird. 50 Chalets,  Hotels, Appartements, Einkaufspassagen – es klingt schauderhaft. Einige reiche Schweizer verkaufen ihr Land, auf dem Rücken ihrer Mitbürger, die sich danach über  Überfremdung beklagen.  Unschöne Veränderungen ärgern mich, tun mir weh, eben weil ich die Schweiz als meine Heimat begreife, die ich schützen will, die Heimat, nach der ich mich sehne, wenn ich weg bin, die ich verteidige wenn ich ausserhalb bin, sehr nationalistisch bin ich da, und mir selber fast peinlich.”

Sibylle Berg Schriftstellerin
Zürich, 27. Juli 2012